In den letzten Jahren ist eine Kommunalisierung der Sozialpolitik zu beobachten. Immer mehr Funktionen werden auf die kommunale Ebene abgestuft. Damit wird soziale Verantwortung und Problembewältigung bis hinein in die Quartiere abgewälzt. Deshalb muss auch von dorther reagiert werden, auch zur Verteidigung von Lebensräumen und Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen.
In der Gemeinwesenarbeit (GWA) wird das unter dem Begriff der Einmischung diskutiert. Der spezifische Beitrag der GWA besteht dabei darin, Prozesse anzuregen (Probleme aufgreifen und thematisieren, aktivierende Befragung, Information, Skandalisierung, Zeit und Raum für Auseinandersetzungen), Prozesse zu moderieren (d.h. verschiedene Akteuere an einen Tisch zu bringen, Nachbarschaften zu stärken) und Prozesse zu unterstützen (Logistik, Beratung, Politisches Knowhow).
Es ist Aufgabe der Gemeinwesenarbeit, Einzelnen, Gruppen und den Quartieren bei der Veröffentlichung der von ihnen priorisierten Themen zu helfen. Es geht darum, wie die Probleme der Lebenswelt in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu bringen sind. Die GWA hat Erfahrung darin, Übersetzungsleistungen für unterschiedliche Interessen zu leisten. Sie konfrontiert politische und Verwaltungsinstanzen kontinuierlich respektvoll, aber deutlich mit den Lebens- und Wohnbedingungen der (prekarisierten) Bevölkerung. Dabei kann das Spektrum von der sachlichen Darstellung in Gremien über die Organisation von Foren zum Dialog zwischen Lebenswelt und Bürokratie bis hin zu skandalisierenden Aktionen mit allen Elementen nachdrücklicher Öffentlichkeitsarbeit reichen.
Die GWA knüpft Netze, die die Menschen ermächtigen und unterstützen, wenn sie sich aktiv an der Gestaltung ihrer Lebenswelt und damit an politischen Entscheidungen beteiligen wollen.
Mit dieser Vernetzung (aber auch durch Skandalisierung) bietet GWA ein Politikmodell „von unten“, das nicht nur auf die Organisation von Gegenmacht ausgerichtet ist, sondern auch die Politikformen in unseren Städten auf die Weise beeinflussen kann, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere nicht nur mehr gehört werden, sondern auch mehr und dauerhaft Entscheidungen im und für das Quartier treffen können.


