Wenn von Planern und Investoren „Urbanität“ angezielt wird, dann handelt es sich in der Regel um ein sorgfältiges Kalkül, das Risiken möglichst ausschliessen soll. Stadtbewohner werden nur als Konsumenten eingeplant. Sie sollen sich vorgegebener Einrichtungen und Dienstleistungen bedienen und an organisierten Erlebnissen ihre Freude haben. Die grösste Gefahr für die Investoren ist, dass das Vorgesehene nicht eintritt, ihr Angebot nicht „angenommen“ wird, wie man in der Marketingsprache sagt. Dann muss mit noch raffinierteren Methoden und noch spektakuläreren Ereignissen um das Publikum geworben werden, und dann jagt ein inszeniertes Erlebnis das andere. Was einen in der Stadt erwartet, kann man dann vorher im Veranstaltungsprogramm der Tageszeitung lesen. Die gebaute Stadt gibt es dann immer noch, aber sie ist nicht mehr urban.
Dass Urbanität, also städtische Kultur, nicht allein das Ergebnis planerischer oder politischer Entscheidungen sein kann, enthebt jedoch die StadtplanerInnen nicht der Verantwortung, zu prüfen, ob die Möglichkeiten ihrer Entfaltung eher beschränkt oder erweitert werden, wenn immer grössere Teile der Stadt in grossen Bauvorhaben privater Investoren verschwinden. Entscheidend dafür dürfte sein, welchen Platz die Bürger einer Stadt neben den Medien, Geld und Macht in der Gestaltung des städtischen Lebens einnehmen – und wie viel öffentlicher Raum ihnen dafür zur Verfügung steht.
Ebenso, wie in den Grosssiedlungen der siebziger Jahre alles verplant und funktional zugerichtet wurde, lassen die meisten Investoren-Projekte auch heute keine Nischen und keine Lücken für spontane Nutzungen oder nicht-kommerzielle Zwecke. Für so etwas ist der Boden durch die Planung selbst zu wertvoll geworden. Damit aber werden wichtige Elemente einer urbanen oder einer auch nur lebendigen Stadt ausgesperrt.
(Quelle: Hartmut Häußermann in: Karen Ziener/Ines Carstensen/Elke Goltz (Hrsg.). Bewegende Räume – Streiflichter multidisziplinärer Raumverständnisse. Praxis Kultur- und Sozialgeographie | PKS 36 Festschrift anlässlich der Verabschiedung vonFrau Prof. Dr. Gabriele Saupe am 26.11.2004)





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erinnert mich an gestrige sitzung im bezirk. Oh, wie das passt!
2000-04 großartiges Masterplan-Feilen inkl. aller üblichen Einmischungen, Ausladungen, Abgrenzungen. Grandiose Präsentationen und Visionen. … Vergessen.
Jetzt alles von Neuem. “Die Menschen vom 1. Bezirk in die Taborstraße bis tief in den 2. bringen.” Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) Budgets. Visionen, freilich va. der Vermarktung der Visionen. Vermarktung der Beteiligten. Strategien zur Verunmöglichung der Vermarktung der anderen Beteiligten.
Derweilen entstehen – in allen Katalogen und auf Schildern – “City” genannte neue Stadtteile, die den Begriff “Stadtteil” nicht mal verdienen in ihrer “Verplantheit” wie im Eintrag oben beschrieben. Rundum, auf den brachgelegenen ungenutzten ehemaligen da Bahnhofs- und dort Kaserne und was weiß ich-Arealen.
immer wieder: Rede von diesen und jenen Planungskriterien (Urbanität, Fußgänger/Radfahrer, Mischung etc.) und ex post klar sichtbar, es hat nur ökonomisches Kalkül obsiegt, etwas verwoben mit Seilschaftsstrukturen in die herrschende Stadtregierung hinein.