Urbanität, Stadtkultur

von fels am 8. Juni 2009

in Sozialraum,Stadt,Stadtentwicklung,Öffentlicher Raum

In der theoretischen Diskussion über Stadt ist Urbanität gleichbedeutend mit Stadtkultur. Der Begriff Stadtkultur bezeichnet eine bestimmte Art und Weise zu leben, die die öffentliche und demokratische Entscheidung über die Entwicklung des Gemeinwesens beinhaltet; charakteristisch für städtische Kultur ist seit der Antike die Offenheit gegenüber dem Fremden, gegenüber kultureller und intellektueller Innovation. Dazu gehören auch die Individuation und die Anonymität, die allein unter städtischen Lebensbedingungen möglich sind und die experimentelle Lebensstile und Rollenwechsel zu praktisch jeder Zeit und in jedem Lebensabschnitt ermöglichen. Daraus ergibt sich kulturelle Vielfalt, die das Ferment ist für sich selbst verstärkende Prozesse kultureller und ökonomischer Differenzierung. In geschlossenen Gesellschaften, in denen das individuelle Verhalten von den Nachbarn oder Verwandten – oder gar staatlichen Instanzen – kontrolliert und sanktioniert werden kann, ist Differenzierung nicht möglich. Für Urbanität sind unkontrollierte Räume, in denen sich Öffentlichkeit herstellen kann, essenziell wichtig – Öffentlichkeit als etwas Soziales und Politisches, das sich aus individuellem und kollektivem, aber aufeinander bezogenem Handeln ergibt. Zur Stadtkultur gehören daher auch öffentliche Räume, deren Öffentlichkeitscharakter sich zwar keineswegs in ihrem baulichen Substrat erschöpft, die jedoch gewissen Mindeststandards genügen müssen, um Öffentlichkeit überhaupt möglich zu machen. Der Idealvorstellung von Urbanität liegt eine Utopie des liberalen Anarchismus zugrunde – bürgerlich und antibürgerlich zugleich. Eine urbane Stadt ist eine lebendige Stadt.

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Urbanität ist ein vielschichtiger Begriff, der politische, ökonomische und kulturelle Dimensionen hat. In der städtebaulichen Diskussion der Gegenwart ist er allerdings weit gehend banalisiert worden und fasst lediglich äusserliche Merkmale von Orten zusammen. Urbanität wird damit auf eine kulinarische Dimension reduziert; sie bezeichnet den Stadtraum als Kulisse für einen interessanten Aufenthalt, als Ort, an dem man „etwas erleben“ kann. Der Stadtbesucher oder -bewohner ist Konsument einer Atmosphäre. Mit Urbanität ist in städtebaulicher Propaganda in der Regel nicht mehr gemeint als „belebte Stadt“, sonst wäre sie ja erst in zweiter Linie ein Thema von Architektur oder Städtebau. Aber mehr, als die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich Vielfalt und Lebendigkeit entfalten können, sollten sich Architekten und Städtebauer auch nicht abverlangen. Denn Urbanität lässt sich nicht planen. Urban ist eine städtische Gesellschaft aus sich heraus – oder sie ist es nicht. Und wenn sie es ist, dann schafft sie sich auch ihren baulichen Ausdruck. Mehr als Erfüllungsgehilfen dominierender gesellschaftlicher Mächte sind ArchitektInnen nicht, auch wenn sie sich häufig als die eigentlichen Macher der Welt sehen.

Seien wir bescheiden: Viel wäre schon gewonnen, wenn Städtebauer in der Lage wären, die Voraussetzungen für eine belebte Stadt zu verwirklichen.

(Quelle: Hartmut Häußermann in: Karen Ziener/Ines Carstensen/Elke Goltz (Hrsg.). Bewegende Räume – Streiflichter multidisziplinärer Raumverständnisse. Praxis Kultur- und Sozialgeographie | PKS 36 Festschrift anlässlich der Verabschiedung vonFrau Prof. Dr. Gabriele Saupe am 26.11.2004)

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1 hc voigt Juni 8, 2009 um 22:06

wie für die dipl.arbeit als widmung geschrieben, wo wir letzten do das letzte kapitel endlich geklärt hätten …

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