Sinnlichkeit als Identität Rorschachs

von fels am 22. Oktober 2009

in Sozialraum,Öffentlicher Raum

Gastbeitrag von Nicolas Weber, Fabienne Federer und Daniela Tanner (Studierende FHS St.Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit)

Am vergangenen Dienstag hat sich in der Ankerstrasse in Rorschach der Vorhang für das neunte und letzte Kapitel „Stadt der Sinne“ geöffnet. 50 Studierende der Fachhochschule St.Gallen gestalteten mit den Initiatoren Selina Ingold und Mark Riklin den abschliessenden Akt der Reihe „Stadt als Bühne“.

Rorschach. – Ein roter Vorhang ziert die Ankerstrasse. Stühle säumen den Laufsteg und warten auf neugierige Zuschauer, die sich nochmals ausgewählte Stadtfiguren der vergangenen acht Kapitel vor Augen führen möchten.

Nachdem die Glocke des Jakobsbrunnens verstummt ist, stellen die Initiatoren Selina Ingold und Mark Riklin das letzte Kapitel „Stadt der Sinne“ vor. Im Publikum werden alt bekannte, reale Stadtfiguren erblickt. Viele von ihnen haben dabei in den letzten acht Kapiteln eine wichtige Rolle gespielt. Darunter befinden sich beispielsweise der Schatzsucher, „Marroni-Meier“, der Hafenmeister oder auch der Glöckner.

stadtdersinne

(Bild: Fabienne Federer, bearbeitet durch ubu)

Letztes Wiedersehen?

Mit dem letzten Kapitel will man einerseits die fantasievollen Stadtfiguren der letzten vier Jahre nochmals zum Leben erwecken. Andererseits aber auch einen Anfang schaffen. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Mit dem neunten Kapitel soll abschliessend ein nachhaltiger Ideenkatalog in den Köpfen der Rorschacher Bevölkerung hinterlassen werden.

Noch einmal winken die charmanten Stadtbegrüsserinnen freundlich vom Bühnenrand. Die Handfönerin wärmt wieder Rorschacher Hände und der Tagträumer erinnert barfuss und in einen Bademantel gehüllt an gemütliche Stadtspaziergänge. Aber auch an neuen Figuren fehlt es nicht. So wird für die Rorschacher Bevölkerung eine Bauchpinslerin ins Leben gerufen.

Längste Depesche der Schweiz

Anschliessend an diesen Rückblick, wird der Blick in die Zukunft gerichtet. Die Stadt Rorschach soll als „Stadt der Sinne“ ausgerufen werden. Um die Sinnlichkeit der Stadt zu vermitteln sind einige Veränderungen nötig. In einer 22 Meter langen Depesche haben Studierende der FHS St.Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, deshalb ihre Ideen festgehalten. Nachdem einige Anregungen vorgestellt wurden, übereichen die Studierenden die Depesche dem Stadtpräsidenten Thomas Müller. Sie wünschen, dass sich der Stadtrat bei künftigen Projekten davon inspirieren lässt und einige Anregungen auch umsetzt.

Diskussion im Mariaberg

Im Kulturlokal Mariaberg findet die abschliessende Diskussion statt. Neben den Initianten und den Studierenden, nehmen auch der Stadtpräsident Thomas Müller, FHS-Rektor Sebastian Wörwag, Audiologe Stephan Kunz, Sozialraumexperte Dani Fels und weitere prominente Gäste teil. „Eine Stadt lebt von ihren Geschichten“, so Wörwag, der deshalb in der Reihe „Stadt als Bühne“ ein grosses Potential für Rorschach erkennt. Über die Nachhaltigkeit des Projekts wurde zu Beginn jedoch gerätselt. Hinterlassen die Butler mit Bettflaschen oder Fön und andere Stadtfiguren mehr als nur ein Schmunzeln auf den Lippen der Rorschacher Bevölkerung? Setzen Sie nachhaltige Zeichen?

Liegestühle und Schatzsucher als Wendepunkt

Die verschiedenen Aktionen liessen die Skepsis immer mehr in den Hintergrund treten. So meint Dani Fels, die Ernsthaftigkeit des Projekts erkannt zu haben, als er im Tagblatt die Stellenanzeige des Schatzsuchers entdeckte. Thomas Müller erkannte das Potential für das Stadtbild bei der Aktion mit den 100 rot-weiss gestreiften Liegestühlen. Zum Schluss äussert er das Versprechen, die Depesche durchzulesen. Ob jedoch Ansätze davon übernommen werden, lässt er offen. Mit dieser Diskussion schliesst „Stadt als Bühne“ ihren Vorhang. Einige Stadtfiguren haben dadurch an Aufmerksamkeit gewonnen, wieder andere sind durch das Projekt erst entstanden. Es ist nun zu hoffen, dass die eine oder andere jetzt noch fiktive Figur, die Wege der Rorschacher auch in Zukunft kreuzen wird.

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